kapitel 9 :

... abschied ...
oder auch : schreiben lassen
... zitate - blüthenlese ...


 
*
A., B. und C. (schwören es zusammen) : Müde vom Durchwandern öder Letternwüsten, voll leerer Hirngeburten, in anmaaßendsten Wortnebeln ; überdrüssig ästhetischer Süßler wie grammatischer Wässerer ; entschloß ich mich : Alles, was je schrieb, in Liebe und Haß, als immerfort mitlebend zu behandeln !
20. 9. 1958 - Darmstadt i. d. Barbarei - Arno Schmidt

 
*
Mit den Autoren ist kein Mitleiden zu haben und den Lesern ist nicht zu helfen. Aber gleichwohl wäre zu wünschen, daß die Leute besser lesen lernten.
Christoph Martin Wieland

 
*
Die Literatur ist eine Form der Freude. Wenn wir etwas mit Mühe lesen, ist der Autor gescheitert.
Jorge Luis Borges

 
*
Alles auf ein Stück Papier zu setzen, auf die entscheidende Metapher, den nächstbesten Tag, der wie jeder vor ihm daherkommt und doch niemals wiederkehrt; alles wie auf eine Karte wie auf den geliebten Menschen zu setzen, mit dem dich ein Zufall liierte, darum geht es auf dieser Reise durchs Universum der Zeichen und wechselnden Lebensmotive, die in der Erinnerung erst jenes Muster ergeben, ohne das alles nur Chaos gewesen wäre und Sinnlosigkeit.
Durs Grünbein

 
*
Wer fünf Jahre und sieben Tage nichts anders gethan, als mittelmäßige Bücher übersetzt hat, wird Nachtwächter.
Johann Gottlieb Klopstock

 
*
Vielleicht ist es ja das, was man im Leben sucht, nur das, den größten möglichen Kummer, um man selber zu werden, bevor man stirbt.
Louis-Ferdinand Céline

 
*
Schreiben ist sterben lernen.
Ilse Aichinger

 
*
Aber viele wagen es nicht, sich zu töten, weil sie sich vor dem, was die Nachbarn sagen werden, fürchten.
Palinurus

 
*
We drink or break open our veins solely to know.
Charles Olson

 
*
Vielleicht bist du, o mein Leser, auch so wie ich, des Sinnes, daß der menschliche Geist selbst das wunderbarste Märchen ist, das es nur geben kann.
ETA Hoffmann

 
*
Scharfe Getränke machen scharfe Gedanken.
Johann Gottfried von Herder

 
*
Nachts wenn man aufwacht und auf den Abort geht, ist man so empfindlich wie Rilke, als er die Duineser Elegien anfing.
Martin Walser

 
*
"Ein Zuschauer - ich auch möchte einen Film verstehen." --/-- "Ein wenig, nicht zuviel und nicht immer. Jeder Tag hat vierundzwanzig Stunden, man kann nicht alle vierundzwanzig Stunden verstehen."
Jean-Luc Godard

 
*
Das Leben ist ein bißchen wie eine Laubsägearbeit. Was ich ihm übelnehme.
Joachim Kersten

 
*
Der geistige Mensch hat die Wahl (soweit er die Wahl hat), entweder Ironiker oder Radikalist zu sein; ein Drittes ist anständigerweise nicht möglich.
Thomas Mann

 
*
Vielleicht erlebe ich es noch, daß kein Deutschland mehr ist.
Christoph Martin Wieland

 
*
Ein unruhiges Herz verfinstert oft den hellsten Verstand ...
Moritz August von Thümmel

 
*
Mein Schreibtisch ist für alle gedeckt.
Ernst Jandl

 
*
Man schreibt einzig im Auftrag der Literatur. Man schreibt unter Aufsicht alles bisher Geschriebenen. Man schreibt aber doch auch, um sich nach und nach eine geistige Heimat zu schaffen, wo man eine natürliche nicht mehr besitzt.
Botho Strauß

 
*
Ein dichter mag gestimmt werden durch die luft eines besonderen kulturellen raumes, er mag angefüllt sein mit den bildern und wirren dieses raumes, aber sein bewusstsein wird sich über diesen raum erheben und wird seine erfahrungen suchen auch in anderen bereichen. Das abenteuer des geistes hat neu begonnen, es mag vielleicht schon für tot erklärt worden sein. Dichtung ist heute ein lebensgefährliches beginnen, die schreckschüsse der dadaisten sind noch nicht verhallt, und eine furchtbare wahrheit steigt herauf, ein vers von erheiternder pracht und grosser faszination kann morgen das todesurteil seines dichters sein.
Rainer M. Gerhardt